19. Feb 2021

Wie das Zuhören Unternehmen wettbewerbsfähig hält - im Gespräch mit Marie-Therese Maeder

Marie-Therese Maeder begleitet mittelgroße Unternehmen bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer Visionen, Strategien und der Transformation zu einer kollegialen Unternehmensführung.

Ich tausche mich regelmäßig mit Marie-Therese aus und finde ihr neues Angebot mehr als faszinierend. Warum für Marie-Therese das Zuhören eine wichtige Rolle spielt und welches Angebot sie dazu entwickelt hat, erfährst du in meinem Gespräch mit ihr. Also lies unbedingt weiter.

Marie-Therese Maeder

Marie-Therese, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Business Transformist?

Entstanden ist der Begriff „Transformist“ in einem spontanen Austausch mit meiner Ayurveda-Therapeutin. Sie unterstützt mich seit einigen Jahren, mein Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele zu halten. Ich habe ihr erzählt, dass der Begriff „Beraterin“ für mich unpassend ist.

Ich sehe mich eher als umsetzungs- und ergebnisorientierte Begleiterin, die mit ihren Kunden gemeinsam eine passgenau zugeschnittene Lösung entwickelt. Die Lösung erarbeiten wir also in einer agilen „Co-Kreation“, die auch schrittweise im Unternehmen eingeführt wird. Wir setzen dabei auf Ansätze aus der Organisationsentwicklung, der Psychologie sowie der Hirnforschung und stellen diese nach den Bedürfnissen des Unternehmens zusammen und passen sie an, wo nötig.

Je nach Situation bedeutet es, dass ich CEO‘s und Geschäftsleitungen auf dem Weg der Wandlung ihres Unternehmens coache, moderiere, berate und auch mal navigiere. Für mich gab es keine passende Bezeichnung für diese Begleitung von Transformationen. So entstand meine Bezeichnung „Transformist“.

Eines deiner Hauptaugenmerke liegt auf dem „Zuhören“. Was verbindest du mit dem „Deep Listening“?

Wie viele Menschen habe ich im letzten Jahr sehr viel online zugehört. Da dabei die Mimik, Körpersprache weniger sichtbar sind, habe ich mich mehr auf die Stimme und den Inhalt konzentriert.

Dabei ist mir aufgefallen, dass wir oft beim Zuhören die Tendenz haben, aus unseren Erfahrungen heraus zu wissen glauben, was gesagt wird.

Ein Beispiel:

Du Franziska, Sketchnote Expertin erzählst mir, dass du einen Sketchnote-Kurs „Angebote zu Umsetzungspower“ lancierst. Aus meinen Erfahrungen mit Sketchnotes und weil ich dich bereits kenne, höre ich eventuell, dass du mir das Visualisieren beibringst. Den Teil „zur Umsetzungspower“ verbinde ich automatisch mit der Visualisierung. Ich fokussiere mich auf das, was ich kenne und bereits weiß. Allerdings entgeht mir so etwas Neues, nämlich, dass ich zusätzlich auch deine Expertise und Erfahrungen als Unternehmerin in dem Kurs erhalte.

Im letzten Sommer habe ich „Die 4 Stufen des Zuhörens von Otto Scharmer“ kennengelernt. Seine 4 Stufen des Zuhörens sind:

  • Downloading
  • Faktisches Zuhören
  • Empathisches Zuhören
  • Schöpferisches Zuhören, die Stufe des Zuhörens, die Neues bringt und eine Veränderung möglich macht

Da wurde mir klar, dass ich mit wenig Aufwand auf Stufe 4 - völlig neutral und offen zuhören kann. Es ist wie, wenn ich einem Fremden in einer uns noch neuen Sprache zuhöre. Es kommt völlig aus dem Herzen heraus.

Wenn ich so zuhöre, erfahre ich Neues, nehme Stimmungen und was dahinter liegt wahr. Das erlaubt mir, in kurzer Zeit in einen viel tieferen Dialog mit meinen Mitmenschen zu kommen. Infolge gibt es weniger Missverständnisse und dieses Zuhören beeinflusst die Zusammenarbeit einschneidend positiv.

Wie hilft diese Form des Zuhörens einem Unternehmen weiter? Warum ist es so wichtig für Geschäftsführer, sich damit zu beschäftigen?

Die letzten 12 Monate haben uns gezeigt, dass schnelles Handeln und Innovation überlebenswichtig für jedes Unternehmen sind. In den meisten Unternehmen sind die Mitarbeiter diejenigen, die direkt am Markt sind und die Kundenbedürfnisse als erstes hören und erfahren.

Die Geschäftsführungen stehen oft weniger direkt im Kundenkontakt. Der Geschäftsführer, der sich nur auf das verlässt, was er kennt oder erwartet, wird deshalb auch nur das hören, was ihm bekannt ist. Neue Ideen oder veränderte Kundenerwartungen können da sehr schnell untergehen und in fehlenden Innovationen und Umsatz- und Wachstumsmöglichkeiten enden.

Da setzt das schöpferische Zuhören an und bringt den Geschäftsführer in Kenntnis über die Entwicklungen auf dem Markt.

Wie gelingt es mir, in diesen Zeiten richtig zuzuhören? Wenn ich von einem zum nächsten geschäftlichen Online-Call springe und eigentlich mal eine Pause brauche.

Wie alles ist auch das „deep listening“ zuerst mal eine Erfahrungssache und dann eine Übungssache. Die Erfahrung braucht weniger Zeit als gedacht, nämlich ca. 30 Minunten. Es zu beherrschen benötigt Routine. Der Mensch benötigt bekanntlich rund 3 Monate, um sich etwas Neues anzugewöhnen.

Eine Idee, sich regelmäßig darauf aufmerksam zu machen, wäre mit Erinnerungen zu arbeiten. Platziere dir doch eine kleine visuelle Erinnerung direkt neben der Kamera an deinem Bildschirm. Dann fällt es dir leichter, das Zuhören immer wieder aktiv zu üben.

Alternativ kann man sich die Vorbereitung auf den Tag zu Nutzen machen: Weshalb dann nicht gleich ein Ziel setzen und definieren, bei welcher Person, in welchem Meeting man sich vornimmt, das „deep listening“ anzuwenden. Die Planung ist in 5 – 10 Minuten erledigt.

Abends lässt sich die Liste kurz überprüfen. Dann kannst du abhaken, wie oft es dir weshalb und wie gelungen ist, aktiv zuzuhören. Auch dabei hilft es, dein Ziel zu visualisieren, z. B. Mit einem Post-it.

Die Form des Zuhörens selbst benötigt weder mehr Zeit noch mehr Geld.

Du setzt dich dafür ein, dass Unternehmensführung neu gedacht und gelebt wird. In den letzten Wochen hast du das neue Format „Experimental Day“ entwickelt. Was verbirgt sich dahinter?

Organisationen, in denen Rollen und Verantwortungen klar definiert sind und die Führung mit allen Mitarbeitern geteilt wird, sind innovativer, agiler und erfolgreicher. Hinzu kommt, dass diese Organisationen gleichzeitig viel zufriedenere Menschen haben, die für sie arbeiten, weil sich alle auf Augenhöhe begegnen.

Am „Experimental day“ entscheiden wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung/ den CEO, welche „Experimente“ das Unternehmen in der aktuellen Situation weiterbringen können. Das sind zum Beispiel neue Feedbackkulturen, andere Formen von Entscheidungsmethoden, angepasste Meetings und veränderte Strukturen. Es werden die Definition und Aufteilung von Verantwortungen und den damit einhergehenden Kompetenzen ausprobiert, erfahren und gelebt. Auf diese Art können Transformationsvorhaben in kleinen Schritten und in einem geschützten Rahmen getestet werden.

Viele CEO, die Veränderungen anstreben, wissen oft nicht genau, wie sie starten sollen. Genau dafür habe ich den „Experimental day“ ins Leben gerufen. Eine Studie der Harvard Business School. hat aufgezeigt, dass Unternehmen, die in der Pandemie neue Dinge ausprobiert haben, ihre Mitarbeiter ermächtigt haben und ihren Kunden offen zugehört haben, so erfolgreich damit waren, dass sie die Veränderungen beibehalten.

Am 5.3. bietest du den 90-Minuten Workshop „Curiosity breakfast“ mit einer großen Prise Erlebnischarakter an. Was lerne ich da und wer darf teilnehmen?

Das interaktive Webinar ist für CEO und Geschäftsführer, die Lust darauf haben, eins der genannten Experimente selbst zu erleben. So können sie mit diesem oder anderen Piloten die Veränderung der Firmenkultur- und Struktur zu beginnen.

Ohne zu viel verraten zu wollen, werden wir beispielsweise die 4 Stufen des Zuhörens kennenlernen. Ein wichtiger Teil dieses Workshops ist es, das Zuhören auf den verschiedenen Stufen zu üben – praktisch und über das, was ein gewöhnliches Online-Meeting bietet, hinaus.

Neben dem Zuhören lernst du als Teilnehmer auch etwas mehr über dich selbst und kommst mehr mit den anderen CEO‘s ins Gespräch, als du jetzt vielleicht denkst. Sei gern dabei.

Du hast Interesse aktiver zuzuhören und zu erfahren, was alles möglich ist?

Du fühlst dich angesprochen und willst dabei sein, dann melde dich hier für den Workshop Marie-Therese Maeder an. Wenn du einen Geschäftsführer kennst, der offen für Neues ist, dann informiere ihn gern über das Angebot.