02. Jul 2021

Monatsrückblick Juni: mit Fokus zur kreativen Routine

Der Juni beginnt mit dem ersten Kurzurlaub in diesem Jahr.

Mein erster Kurzurlaub nach Öffnung der Hotels und Gastronomie Anfang Juni gleicht einem Traum. Das Wetter ist warm, aber nicht heiß. Die Natur im Hohenlohischen scheint mit sich im Einklang. Wir sehen Milane durch die Lüfte kreisen, Hasen am Waldrand, Rehe auf ihrer Zuchtwiese. Ein spektakulär großer Hirschkäfer versucht in unser Zimmer zu gelangen. Sein Geweih macht meinen Fingern Angst.

Natur pur. Zumindest solange wie der Wald für den angekündigten Windradpark nicht abgeholzt wird.

Waldenburg

Bild: Was für ein Panorama!

Städtischer Trubel in Coronazeiten

Das Hin- und Her der Öffnungen sorgt dafür, dass ich Anfang Juni gar nicht mehr weiß, welche Öffnungsstufe jetzt wo und wie gilt.

In der Zeit sprießen die Testzentren aus dem Boden. Gefühlt kannst du in Stuttgart an jeder Ecke einen Test ablegen. Du hast sogar die Wahl zwischen Spucktest, vorderem Nasenabstrich only und normalem Test.

Das Eldorado für Testwillige. Oder all die, die mal wieder die Innenstadt fluten wollen.

Wie funktioniert das wohl auf dem Land?

Stuttgarts City gleicht an einem Samstagmittag einem Volksfest. Die Massen schieben sich Körper an Körper durch die Marienstraße. (Okay erwischt. In Zukunft gehe ich morgens statt mittags zum Lebensmittelshopping.)

Im Bild siehst du, wie sich der Ausflug zum nächsten Supermarkt ungefähr angefühlt hat.

Trubel


Wie viel Leben geschieht ab jetzt online? Hat offline noch eine Chance?

Die vermehrte Öffnung provoziert die Planungsgedanken für den Herbst dieses Jahres. Ich bin ratlos, ob ich für den Herbst Offline-Veranstaltungen anstoßen möchte. Einen Träger kontaktiere ich. Ansonsten verhalte ich mich zurückhaltend.

Ich mag online. So richtig motiviert, ab sofort wieder in der Gegend herumzureisen, bin ich nicht. Die geplanten Workshops für Referendare, die ich in den nächsten Wochen in Kooperation durchführe, dürfen vorerst online stattfinden. Darüber freue ich mich.

Was ich vermisse, ist der persönliche Austausch. Mir fehlen die Gespräche von Angesicht zu Angesicht, in denen sich Gesten lohnen, weil sie auch gesehen werden. In den nicht alles gesagt werden muss, weil sich vieles ergibt.

In der Zeit lese ich einige Beiträge in den Social Media. Es scheint sich bei der Offline-oder-Online-Frage um eine kollektive Fragestellung zu handeln. Ich zettele zu dem Thema ein Gespräch mit einer Kollegin an und vertage meine Herbstplanung auf den Juli.

Wie hältst du es in den kommenden Monaten? Bist du verstärkt offline unterwegs oder nach wie vor online zu finden?

Zurück zum Fokus

Im Mai habe ich mich treiben lassen. Ich war begeistert von der Idee, mal richtig gut schreiben zu können, habe Bücher und Hörbücher verschlungen und Blogs gelesen.

Für den Juni ist klar. Es ist Zeit, den Fokus wieder zurückzugewinnen und die Dinge zu tun, die wichtig sind.

Den Anfang macht der Gastartikel für den PME Campus von Evelyn Funk. Ihr Angebot richtet sich an hauptberufliche Evaluatoren. Die bisherigen Blogposts von Evelyn setzen sich wissenschaftlich mit der Evaluation auseinander. Ein passendes Thema zu finden ist meine Herausforderung.

Ich mag wissenschaftliche Diskurse und die Auseinandersetzung mit komplexen Themen. Für den Blog bevorzuge ich es jedoch leichtfüßig. Letztendlich entscheiden wir uns gemeinsam für einen praktischen Blogpost. Ich schreibe darüber, warum auch Evaluatoren Visualisierungen in ihrer Arbeit einsetzen sollten.

Ampel

Im Blogpost für den PME-Campus gibt es ein Ampelbeispiel.

Erfolg braucht fokussiertes Handeln und, du hast es geahnt, kontinuierliches Dranbleiben.

Ich höre zum zweiten Mal eins der Bücher von 99 U (unbezahlte Werbung). Das Buch gehört zu meinen Favoriten. Es ist eine inspirierende Sammlung von Tipps bekannter kreativer Köpfe. Innovative Leader wie Seth Godin, Cal Newport und Gretchen Rubin teilen ihre Best Practices.

Mir gefällt, dass in der Auseinandersetzung die Kreativität und der eigene Wachstumsprozess im Vordergrund stehen. Dabei geht es ums Tun und nicht um neue Ideen. Kern der Ausführungen ist, dass das tägliche Tun wichtig ist, um besser zu werden und im Prozess etwas Einmaliges zu erschaffen.

Das hat mich bereits bei der Lektüre von Stephen King‘s Buch „On Writing“ besonders gefesselt: Er setzt sich jeden Tag hin und schreibt. Erst nach Erreichen seines Wortkontingents geht er in den Feierabend. Wobei auch sein Feierabend nicht der Entspannung per se eingeräumt ist, sondern dem Lesen von Büchern. So bildet er sich weiter und entwickelt neue Ideen.

Stephen King verbildlicht gut, was es heißt, jeden Tag etwas für seinen Erfolg zu tun. Sein Schaffen kennt keinen Urlaub und keine Feiertage.

Die Mär vom Talent und dem Nichtkönnen

Ich bin fasziniert. Viele talentierte Menschen zweifeln, dass sie etwas nicht können. Ich sehe das oft beim Visualisieren. Dann heißt es: „Ich kann nicht zeichnen.“ Der Satz sollte aus meiner Sicht vielmehr mit der Frage „Was habe ich dafür getan, zeichnen zu können?“ ersetzt werden.

Kein erfolgreicher Sketchnoter, Graphic Recorder oder freier Künstler hat seine Tätigkeit gestartet, ohne unaufhörlich an den eigenen Zeichenkenntnissen zu arbeiten.

Auch Talent ersetzt die Übung nicht.

Warum sollte der Wissenserwerb bei den Künsten anders sein als beim Sport, wo es auf (Selbst)Disziplin und das regelmäßige Üben ankommt?

Fokus führt zu einer neuen täglichen Routine.

Als ich das Buch von 99U erneut hörte, wusste ich bereits nach den ersten Minuten: Ich brauche eine neue Malroutine.

Meine Kunst lag in den letzten Monaten brach. Ich hatte länger nicht gemalt. Das Einzige, was darauf hinwies, dass ich es mal angegangen war, ist die Ansammlung von Papier und Pinseln in unmittelbarer Nähe zu meinem Arbeitsplatz.

Das Organisatorische für die neue Routine ist schnell beschlossen. Ich will das Kreativschaffende morgens ausprobieren. Meine Challenge startet am 14. Juni. Nach zwei Wochen gehe ich vom morgendlichen Malen auf den Abend über. Morgens raubt es mir viel Energie. Das Ende bleibt offen. Das Format ist in jedem Fall anstrengend. Ich nehme mir dennoch vor, bis Mitte Juli durchzuhalten.

Malchallenge die ersten 3

Bild: Ersten 3 Skizzen der Malchallenge.

Und der Fokus sorgt dafür, dass ich meine Idee endlich als Angebot launche.

Eine Idee für ein neues Angebot verfolgt mich schon länger. Was wäre, wenn ich etwas Freudvolles entwickeln könnte, das zum täglichen Zeichnen anregt? Schon länger schreibe ich Zeichenideen auf, die für die tägliche Übung sinnvoll sein könnten.

Auf Fokus getrimmt, bringe ich endlich all das zusammen. Ein neues Angebot entsteht. Ein Angebot, das sich jeder leisten können soll, der Lust drauf hat, eine tägliche Zeichenroutine fürs Visualisieren zu erproben. Relativ rasch erstellte ich eine Verkaufsseite und versendete das Angebot per E-Mail an ehemalige Kursteilnehmer. Mit Erfolg. Ich bin erleichtert, das „21-Tage-Zeichnen“ angenommen wird.

Am 5. Juli geht's los.



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