Kreativität: was ist das eigentlich? Wie du schöpferische Routinen im Alltag lebst.

Neulich hielt ich einen Impulsvortrag zu Kreativität im Arbeitsalltag. Da ich öfter drauf angesprochen wurde, den Vortrag zugänglich zu machen, findest du ihn hier auf dem Blog. Schau gern auch ins Video:

Falls du die geschriebene Variante bevorzugst, dann lies dich gern durch den Transkript.

Was ist Kreativität?

Die Kreativität zu definieren ist ein sehr weites Feld. Jeder hat seine Interpretation. Das passt zum Begriff der Kreativität auch sehr gut. Wenn es darum geht, mehr Kreativität in den Alltag zu bringen, ist es hilfreich zu wissen, was Kreativität neben der schöpferischen Kraft noch kennzeichnet. Ich habe in dem Buch "Creativity" von John Cleese einige Gedanken dazu gelesen, die ich gern mit dir teilen möchte. Er bringt die Kreativität mit seinem kleinen, netten Buch gut auf den Punkt.

Zur Definition von Kreativität hat er die Studie von Mac Kinnon aufgegriffen. Mac Kinnon hat versucht am Beispiel von Architekten Kreativität zu definieren.

Er befragte zwei Gruppen von Architekten. Eine galt als sehr kreativ. Das war die Gruppe 1. Und dann gab es die Gruppe 2. Sie war eher die Antithese und bestand aus den die nicht-kreativen Architekten. Beiden Gruppen stellte Mac Kinnon dieselben Fragen.

Bei der Auswertung der Antworten fand er heraus: Es gibt nur zwei Unterschiede.

Unterschied 1: Die Fähigkeit zu Spielen.

Der erste Unterschied zwischen den Gruppen war, dass die kreativen Architekten die Fähigkeit hatten, zu spielen. Mac Kinnon sagt: „They knew how to play.“

Das heißt, dass die kreativen Architekten ihre Themen mit Neugier und um ihrer selbst willen bearbeiteten. Das heißt, sie haben sich mit Modellen oder Zeichnungen nicht nur deshalb beschäftigt, weil das Projekt jetzt anstand und sie es jetzt eben angehen mussten. Sondern sie arbeiteten daran, weil es sie mitgerissen hat. Es hat sie begeistert. Sie setzten ihr Projekt um ihrer selbst willen mit Spaß um.

Die Erkenntnis lässt sich gut übertragen. Puzzelst du beispielsweise gern, weil du es für das fertige Bild haben willst? Oder macht es dir einfach Spaß, in einem Puzzle mit 1.000 Teilen nach dem passenden Rahmenteil zu suchen und es dann mit Begeisterung an deine bereits vorhandenen Puzzlestücke anzulegen?

Hast du Freude am Prozess oder ist es eher die Lösung, die für dich im Vordergrund steht?

Bei den Kreativen ist die Freude am Prozess genauso groß, wie das Bestreben, neue Lösungen zu finden. Fehler spielen dabei übrigens keine Rolle. Es ist egal, ob man sie macht oder nicht. Genauso wenig kümmern sich die Kreativen um Regeln. Auch die werden in diesem neugierigen Spiel außer Kraft gesetzt.

Das Spiel ist auch eine der Empfehlungen, die ich neulich in einem kurzen Video von Steve Jobs gehört habe. Eine seiner Grundempfehlungen an seine Zuhörerschaft war dort: „Behalte auch im Job das Spielen bei.“

Oft tun wir das im Alltag viel zu wenig. Aber gerade das freie Experimentieren ist wesentlich für gelebte Kreativität.

Unterschied 2: Die Kreativen verzögern ihre Entscheidungen.

Der zweite Unterschied war, dass die Kreativen ihre Entscheidungen verzögert haben. Wenn sie eine Aufgabe abgeben mussten, dann haben sie erst mal gefragt: „Bis wann muss die Lösung da sein?“

Sie haben dann gehört: „Bis Freitag.“. Wenn sie das am Montag erfahren haben, haben sie ihre Lösung nicht bis Dienstag oder Mittwoch finden wollen. Sondern sie haben sich tatsächlich bis Freitag Zeit gelassen. Sie wussten, entweder unbewusst oder bewusst, dass sie in den kommenden Tagen Information gewinnen werden, die für die Lösung relevant ist.

Das Unterbewusstsein hat dabei einen großen Einfluss. Denn das Unterbewusste beschäftigt sich mit einer Aufgabe weiter, auch wenn du gerade nicht aktiv daran arbeitest. Das wirst du selbst kennen. Manchmal kommen dir abends beim Einschlafen noch Ideen für ein Problem, das dich schon länger beschäftigt. Oder du stehst unter der Dusche und plötzlich hast du die Superidee und siehst auf einmal viel klarer.

Das ist genau das, was die als sehr kreativ bekannten Architekten für sich genutzt haben. Bewusst oder unbewusst.

Kreativität braucht Ruhe, Raum und Zeit.

Nach Cleese sind die vielen kleinen Unterbrechungen im Alltag der Tod der Kreativität.

Was kreativität braucht

Um Kreativität von innen heraus zu leben und in diesen Zustand von Flow und neugierigem Ausprobieren zu kommen, braucht es Ruhe, Zeit und auch einen geeigneten Raum.

Auf dich prasseln im Alltag so viele Dinge auf ein, mit denen es fast unmöglich wird, fokussiert ohne Struktur deine Themen weiterzuspinnen. Wenn du zur Ruhe kommst, werden all die kleinen Dinge und To-Do's in deinem Bewusstsein aufploppen. Das ist normal. Wichtig ist, das auszuhalten und trotzdem weiter zu arbeiten.

Wenn du künftig bewusst kreativ arbeiten willst, tust du dich leichter, wenn du Störungen vermeidest. Sei es durch ein Bitte-Nicht-Stören-Schild, ein ausgeschaltetes Handy oder auch die Ansage an Kollegen oder die Familie, dass sie in der folgenden Stunde bitte nicht stören.

Danach setzt du dir eine Zeit, in der du das Thema bearbeiten möchtest – zum Beispiel 30 Minuten oder wenn es ein Schreibprozess ist 50 Minuten. Wichtig ist, dass du für die Zeit, die du dir gesetzt hast, fokussiert an deinem Thema arbeitest.

Dir werden wahrscheinlich am Anfang viele Ideen und Gedanken in den Kopf kommen oder Sachen, die du heute noch machen möchtest. Davon solltest du dich nicht leiten lassen. Sitze es aus, um dann in deine Arbeitsphase zu kommen.

Ideen für kreative Routinen mit schöpferischer Kraft

Es gibt einige Routinen, die deine Kreativität aufgrund der schöpferischen Tätigkeit begünstigen.

Du wirst eine Routine, die deinem Tagesablauf und deinen Interessen am meisten entgegenkommt, am ehesten ausführen können. Suche dir etwas aus, womit du Spaß hast und wo du Lust drauf hast.

Wenn du zum Beispiel mit dem Schreiben gar nichts anfangen kannst, dann zwinge dich nicht, ab sofort alles niederzuschreiben, was dich bewegt.

Das Schreiben

Das Schreiben lässt sich ganz wunderbar in den Alltag integrieren. So lassen sich Problemstellungen aus der Arbeit aufschreiben oder du wählst das kreative Schreiben, weil du da Spaß dran hast.

Um Routine zu gewinnen, kannst du Tools wie die Seite 750words.com nutzen. Dort geht es genau darum: jeden Tag zu schreiben. Du erhältst einige Tage bis Wochen einen kostenlosen Zugang zum Testen.

Der Gründer der Seite war inspiriert sich mit den Morning Pages eine Schreibroutine aufzubauen. Das ist eine Empfehlung von Julia Cameron, die in ihrem Buch "Der Weg des Künstlers" die Morning Pages empfiehlt. Die Idee dahinter ist, dass Schreiben das Erste ist, was du morgens nach dem Aufstehen tust. Du setzt dich an deinen Computer oder über ein haptisches Buch und schreibst alles auf, was dir nach dem Aufstehen im Kopf herumgeht. Julia Cameron empfiehlt das tägliche Schreiben von 3 Seiten.

Das Zeichnen

Um die eigene Kreativität hervorzuholen, eignet sich natürlich auch das Zeichnen. Du kannst deinen Tag alternativ zu den Morning Pages mit den Morning Drawings starten – das heißt, du setzt dich hin und zeichnest morgens ein Bild.

Alternativ kannst du das Zeichnen an sich gut nutzen, um eine kreative Routine in deinem Alltag zu bringen. Das geht wunderbar mit Sketchnotes oder einem Bullet Journal.

Du kannst dir auch Organisationen suchen wie zum Beispiel die Urban Sketching Gruppe bei dir vor Ort. Auch das Lettering ist eine schöne Methode, wenn du eher Freude an schönen Buchstaben hast.

Wähle einfach das, was dir Spaß macht und wo du richtig Lust drauf hast. Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Du kannst natürlich auch mit Aquarell, Acryl, Kreide, Kohle oder Gouache malen.

Bewegung im Freien

Bewegung ist immer eine gute Option, um die Kreativität in Schwung zu bringen. Das kann Spazierengehen, die Gegend erkunden und das bewusste Wahrnehmung deines Umfelds sein.

Sport ist auch eine Sache, die gut hilft, um Kreativität freizusetzen, weil sie deinen Kopf freimacht. Du kannst natürlich auch für ein Meeting mit einem Kollegen rausgehen, dich im Laufen mit ihm austauschen und einfach mal gucken, was da passiert. Verändert sich etwas, wenn ihr in Bewegung seid und beim Spazieren die Themen klärt, die ihr sonst sitzend an einem Tisch besprecht?

Tue, was dir guttut.

Ich habe es schon erwähnt: Alles, was dir guttut, ist auch für dich und deine Kreativität gut. Da funktioniert jeder anders. Von daher gibt es ähnlich wie beim Zeichnen kein richtig und kein falsch.

Ob es jetzt Musik ist, die dich in einen kreativen Prozess hereinzieht, die Meditation oder tatsächlich das Puzzeln. Es sollte das sein, wo du jetzt direkt sagen kannst und intuitiv weißt: Ja, das ist für mich stimmig. Das will ich probieren.

Komme ins Tun und probiere dich aus.

Am besten fängst du direkt an und probierst das aus, wo es in dir gerufen hat: „Das will ich machen!“.

Setze einen Termin mit dir selbst und notiere ihn in deinem Kalender. Dann legst du los. Wenn du Freude gefunden hast und weiter machen willst, dann schaue auch drauf, was oder wer dich dabei unterstützt, im Tun zu bleiben.

Lass mich gerne wissen, was für dich funktioniert. Melde dich auch, wenn du noch eine Frage hast.



eBook: Schritt für Schritt zu 15 Icons