Kolbe Test, ein weiterer Persönlichkeitstest? Das steckt dahinter.

Vor ein paar Monaten bin ich auf einen Selbsttest mit einem etwas anderen Ansatz gestoßen: den Kolbe Test (unbezahlte Werbung). Der Kolbe Test ist kein klassischer Persönlichkeitstest. Er testet die Konation, das heißt er beurteilt, wie du eine Handlung vornimmst.

Das klingt komplex, nicht wahr?

Wir nehmen Inhalte in unterschiedlichen Formen wahr. Du verarbeitest Informationen kognitiv, analytisch mit dem Denken. Du spürst sie affektiv in Form von Emotionen und du bist angetrieben von der Konation.

Bei der Konation handelt es sich um eine Absicht zur Handlung, die aus eigenem Antrieb heraus erfolgt. Der Kolbe Test ermittelt: Wie tust du die Dinge im Alltag? Wie gehst du sie an?

Die Testergebnisse werden stärkenorientiert vermittelt, was mir gefallen hat. Am Ende der Auswertung erhältst du Handlungsempfehlungen.

Getestet werden bei dem Kolbe Test vier Herangehensweisen:

  • Factfinder, das heißt, die Art, wie wir Informationen sammeln und teilen.
  • Follow through, die Art, wie wir die Dinge organisieren.
  • Quickstart, wie wir mit Risiko und Unsicherheit umgehen.
  • Implementation, wie wir die Sache angehen.

Der Test und die Ergebnisse sind auf Englisch. Es gibt jeweils eine Punktzahl bis zu zehn Punkten und zu jedem der vier Teile kleine Handlungsempfehlungen.

Meine Testergebnisse als Beispiel wie ausgewertet wird.

Aus Interesse und einer Portion Neugier habe ich den Test Anfang 2019 gemacht. Für mich fühlt sich das Ergebnis sehr stimmig an und ich hatte beim Lesen der Auswertung direkt einige Aha-Effekte. Eventuell ist das genau das, was auch bei einem Persönlichkeitstest passiert (Barnum-Effekt?!).

Die Ergebnisse werden auf 18 Seiten visualisiert und beschrieben. Meine Ausführungen geben also eher kurzen Abriss.

kolbe-ergebnis

Fact Finder, wie wir Informationen sammeln und teilen.

Ich bekam im Fact Finder vier Punkte. Es folgte die dezidierte Auswertung, laut der ich ich eher der Typ bin, der die Dinge erklärt. Ich abstrahiere Inhalte nicht allzu sehr und gehe auf der anderen Seite auch nicht sehr stark ins Detail.

Anstatt dessen entwickle ich einen guten Überblick darüber, was wichtig ist und erkläre dazu, wenn gewünscht, die nötigen Details.

Das passt. Wie sonst würden meine Sketchnotes funktionieren? Denn dort geht es mir darum, die wichtigsten Inhalte aufzugreifen und wo nötig, weitere Details zu liefern.

Follow through, wie wir die Dinge organisieren.

Beim nächsten Punkt, dem Follow Through, hatte ich eine sehr geringe Punktzahl. Laut Test arbeite ich bei meiner Organisation im Alltag viel mit Shortcuts und Multitasking.

Es sind eher andere, die dafür sorgen, dass Systeme beibehalten werden oder die an tollen Lösungen tüfteln, um die Dinge gut zu organisieren. In der Tat ist das nichts für mich. Insofern stimme ich auch mit dem Punkt überein, dass mir eine übermäßige Bürokratisierung von Prozessen und Dinge, die zu erledigen sind, nicht allzu viel Freude machen.

Dass es Menschen gibt, die eben nicht so arbeiten wie ich und ich in dem Punkt anders ticke, war mein erster Aha-Effekt.

Wenn es um produktives Arbeiten geht, ist der Konsens oft, sich eine Liste zu machen und diese störungsfrei nacheinander abzuarbeiten. Ich arbeite sehr gern projektübergreifend und an mehreren Projekten „gleichzeitig“.

Insofern war es für mich fast eine Erleichterung, dass es okay ist, so zu arbeiten, wie ich es tue. Dass diese Herangehensweise auch produktiv sein kann, wenn sie zum Anwender passt.

Quickstart, wie wir mit Risiko und Unsicherheit umgehen.

Meine höchste Punktzahl habe ich beim dritten Teil, dem Quickstart, erreicht. In der Praxis gehe ich demzufolge meine Inhalte und Dinge sehr stark durch Experimentieren und Ausprobieren an. Außerdem generiere ich zur Lösung immer wieder neue kreative Ideen.

Das mag für mein Umfeld keine Neuigkeit sein.

Für mich war die Tatsache, es jedoch einmal schwarz auf weiß zu lesen, schon eher überraschend. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Ideen und kreative Herangehensweise auszeichnet – auch wenn das im Grunde für Außenstehende absolut eindeutig ist. Die Empfehlungen für mich sind, dass nonkonformes Verhalten für mich durchaus eine Option ist.

Ich sollte außerdem auch nicht unbedingt versuchen, mich selbst vorherzusagen. Diesen Tipp fand ich super.

Implementierung, wie wir die Sache angehen.

Der vierte Punkt, die Implementierung, war für mich mit Punkten im Mittelfeld der Skala nicht allzu spannend. Mittelfeld heißt, dass ich die Dinge so lasse, wie sie funktionieren (wenn sie funktionieren).

Weitere Auswertungsdetails

In der weiteren Auswertung zeigt eine Energiepyramide die Gewichtung der vier Elemente in Form einer anderen Darstellung. Es wird auch darauf hingewiesen, dass jeder Mensch nicht ausschließlich eine der vier Varianten zeigt. Jeder trägt eine Kombination der Vorgehensweisen in sich und wendet sie in verschiedenen Kontexten unterschiedlich an.

Meinen dritten Aha-Effekt hatte ich bei der Darstellung, wie man eine Aufgabe bearbeitet, wenn die Bedingungen so sind, dass man seine Stärken maximal einsetzen kann.

Der Weg zur Lösung ist sehr individuell.

Zu Beginn einer neuen Aufgabe steht bei mir ein Brainstorming zur Ideensammlung von Lösungsmöglichkeitenan. Als nächstes schaue ich mir die Varianten an und recherchiere mehr Informationen. Danach prüfe ich sie auf Machbarkeit, wie hoch die Kosten sind und welche Vorteile die einzelnen Varianten mit sich bringen.

Wenn ich die Informationen habe, überlege ich: Welche Möglichkeiten gibt es, um zum Ziel zu kommen?

Für mich ist dieser Prozess ein sehr logischer Vorgang.

Aus der Arbeit mit divers gemischten Teams weiß ich, dass die Reihenfolge für das Team nicht unbedingt logisch sein muss. Die Inhalte in der Form abzuarbeiten, kann für andere sehr irritierend sein.

Vor allem für diejenigen, die eine ganz andere Systematik verfolgen, ist die Reihenfolge absurd. Konflikte in der Zusammenarbeit sind da durchaus vorprogrammiert, wenn das gemeinsame Ziel und die Wertschätzung fehlt.

Am Ende der Auswertung erhielt ich noch einmal Tipps und Handlungsempfehlungen. Ich bekam z. B. den Hinweis, dass mir das Sprechen eher liegt als das Schreiben. Prompt dachte ich an den Podcast, den ich schon einige Monate vor meinem Blog angehen wollte.

Ein spannender Test, der neue Perspektiven aufzeigt.

Der Kolbe Test hat mir mit der Auswertung, den Hinweisen und den Tipps in einigen Punkten Klarheit gebracht. Bei den klassischen Persönlichkeitstests, die ich auch für das ein oder andere Bewerbungsgespräch absolvieren musste, war das in der Vergangenheit nicht der Fall.

Ich glaube nicht, dass es solche Tests zur Einschätzung der Persönlichkeit oder der Konation wirklich braucht. Allerdings kann ein externer Blick oder Test dabei unterstützen, zu erkennen, was uns von anderen unterscheidet und wo unsere eigenen Besonderheiten und Stärken liegen können.

Ein Test bietet dir bei Bedarf Raum für Reflexion. Die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen schärft dein Bewusstsein.

Idealerweise hilft das Resultat, dir bewusst zu machen, wo du anderen Unterstützung bieten kannst und in welchen Bereichen es Sinn macht, sich von anderen unterstützen zu lassen.

Schreib mir gern, wenn dir der Beitrag geholfen hat!

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