06. Mar 2020

Eine Illustratorin im Porträt - im Gespräch mit Sarah Lehnert

Sarah Lehnert ist eine talentierte Künstlerin. Sie hat ein Studium zur Diplom-Textildesignerin bereits abgeschlossen und genau in diesem Bereich einige Jahre gearbeitet. Trotz des erfolgreichen Starts in die Arbeitswelt hat sie sich vor 1,5 Jahren dazu entschieden, ihren Job als Textildesignerin an den Nagel zu hängen.

Heute studiert sie erneut, und zwar ein Illustrationsstudium. Sie hat ihr Vordiplom erfolgreich bestanden. Es fehlt also nicht mehr viel und sie startet beruflich neu durch.

Ich habe Sarah bei meinen Kursbesuchen an der freien Kunstschule in Stuttgart kennengelernt. Im letzten Jahr haben wir erstmalig bei Aufträgen kooperiert. Ihren Schritt, die bestehende Sicherheit für ein Kunststudium aufzugeben, finde ich bemerkenswert, denn er ist sehr mutig.

Ich freue mich, dass sie mir für den Blog ein paar Fragen beantwortet hat. Es ist inspirierend, einen Blick für die Wege zu bekommen, die abseits von den klassischen „Karrierepfaden“ möglich sind.

Sarah, du hast an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert und somit bereits einen guten Einblick in den Bereich Gestaltung und Design. Was hat dich zu einem erneuten Studium gebracht?

Ausschlaggebend war die Massenproduktion in der Mode-und Textilindustrie und die fehlende Möglichkeit, sich in dieser schnelllebigen und oberflächlichen Branche kreativ auszudrücken.

Was lernst du in deinem Illustrationsstudium, was du vorher noch nicht konntest?

Vor allem beschäftige ich mich gezielt mit der Darstellung von Mensch und Tier, während früher meist Pflanzenstudien die Grundlage für mein textiles Design waren.

Eine weitere Herausforderung ist es nun, nicht nur Text zu interpretieren, sondern diesen auch ins Design einzubeziehen. In meinem letzten Postkartenprojekt zu einer von Bertold Brechts Opern habe ich das ganz bewusst getan. Zuerst habe ich die Inhalte der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ interpretiert. Auf Grundlage der Interpretation habe ich die Entwürfe im nächsten Schritt gestalterisch erarbeitet. Das Ergebnis sind die illustrativen Postkartenentwürfe, wie das folgende Bild:

Postkarte Sarah Lehnert Illustration von Sarah Lehnert

Auch mit dem Thema der Komposition lernt man nochmals anders umzugehen, wenn man keinen Allover-Entwurf, also einen gleichmäßig gemusterten Stoff, hat, sondern Illustrationen für ein Buch oder Postkarten entwirft. Selbst bei einem abgepassten Motiv, wie einem Tuchentwurf, geht man nochmals anders vor, als bei einer Illustration.

Bei einer Illustration können die Schwerpunkte ganz anders gesetzt werden. Die Freiheit ist ungewohnt. Es ist für mich immer noch eine Herausforderung von der klassischen Komposition wegzugehen.

Was macht aus deiner Sicht eine gute Illustration aus?

Ich denke, eine gute Illustration geht ein Stück über den Text, den sie illustrieren soll, hinaus. Sie schafft neue Blickwinkel oder Welten, in die der Leser genauso eintauchen möchte, wie in den Text, den er liest.

Visualisierungen, egal ob Graphic Recording oder Sketchnote sind zwar der Illustration zuzuordnen, jedoch nichts, womit du bislang zu tun hattest. Wir haben letztes Jahr erstmalig miteinander gearbeitet. Was ist für dich das Interessante an der Arbeit mit Visualisierungen?

Während es bei Illustrationen zu Geschichten meistens um das Eintauchen in eine andere Welt geht, ist es hier wichtig, so schnell und konkret wie möglich die wichtigsten Ankerpunkte aufzuzeigen. Es geht darum, das Bild trotz der Reduzierung auf das Wesentliche auch ohne begleitenden Text oder Vortrag nachvollziehen zu können.

Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert davon, wie schnell du Sachverhalte aufnehmen und mit nur wenigen Strichen wiedergeben kannst. Gleichzeitig fällt es dem Zuhörer dadurch leichter, das Gehörte zu verinnerlichen. Das ist eine fortschrittliche und sehr sinnvolle Lernmethode.

Was sind deine Ziele für nach dem Studium?

Natürlich wünscht sich jeder Künstler, nach dem Studium auch von seiner Arbeit leben zu können. Dabei gilt es, einmal dem eigenen Anspruch an die künstlerische Weiterentwicklung zu genügen und sich gleichzeitig auf dem Markt zu orientieren und Kunden zu finden, denen der eigene Stil entspricht.

Wenn mir beides gelingt, habe ich wohl den Jackpot gewonnen.

Danke dir, Sarah, für die inspirierenden Einblicke in deine Tätigkeit.

Mein Fazit

Ich bin fasziniert von jedem, der sich dafür entscheidet, seiner Leidenschaft zu folgen und den eigenen Weg zu gehen.

Vor allem der Weg eines Künstlers ist kein leichter. Sicherlich auch deshalb, weil nur ein Bruchteil seiner Arbeit objektiv zu bewerten ist und die restliche Einschätzung der Arbeiten überwiegend subjektive erfolgen.

Wenn du Sarah Lehnerts auf ihrem Weg begleiten möchtest, dann folgst du ihr am besten bei Instagram. Ab August findest du im Netz mit der eigenen Homepage, die sie sicherlich auch auf Instagram bekannt gibt. :)