04. Sep 2020

Case Study: Sketchnote-Workshop - Ein Interview mit Ilka Schönborn

In 4 Wochen zu beeindruckenden Visualisierungen? Ilka hat’s gemacht: Sie ist eine der Absolventinnen meines ersten Online-Visualisierungs-Workshops.

Ilka ist vor acht Jahren bei ihrem Arbeitgeber, einer schwäbischen Firma gelandet. Sie kommt ursprünglich aus dem Bauwesen, hatte aber immer schon eine Affinität zur Kunst und geht gern in Ausstellungen. Im Job ist sie fürs Qualitätsmanagement zuständig. Ihr Wissen gibt sie in internen und externen Schulungen, z. B. an Lieferanten weiter.

Ilka ist in den vier Wochen geradezu durchgestartet und hat zeichnerisch mehr als losgelegt. In einem Gespräch teilt sie ihre Eindrücke.

Im Gespräch mit Ilka Schönborn

Bild: Ilka und ich im Gespräch.

Ilka, kanntest du das Sketchnoten und das handgezeichnete Visualisieren schon?

Nein, ich selbst bislang noch nicht. Vor 2 Jahren hat eine Graphic Recorderin in einem Meeting gezeichnet. Mich hat es damals sehr beeindruckt, wie sie die fachlichen Vorträge simultan gezeichnet hat. Alle Teilnehmer waren fasziniert, wie gut und schnell sie die Inhalte übersetzt hat. Ich fand außerdem interessant, wie sie erst alle Themen aufgegriffen hat. Später, als sie ein bisschen Luft hatte, hat sie einfach an den Details weitergearbeitet.

Als ich die Ausschreibung zu deinem Workshop entdeckt habe, hatte ich das Bild von ihr wieder im Kopf. Ich wollte das Visualisieren nun selbst ausprobieren.

Der Kurs ging erst einmal über zwei Wochen, um das Online-Format zu testen. Danach haben wir um zwei weitere Wochen verlängert. Wie hast du das Online-Format erlebt?

Die Kombination der zwei Termine finde ich gut als Einstieg.

Für mich war das Online-Format einfach super. So konnte ich jetzt in der aktuellen Zeit zu Hause lernen. Die Erfahrung war toll - ich saß zwar normal am Schreibtisch und am Rechner, trotzdem habe ich etwas komplett anderes machen können, als normal zu arbeiten. Es war klasse, dass dort auch so etwas Kreatives möglich ist. Es hat mir viel Spaß gemacht.

Ich mag es, meine Zeit selbst einteilen zu können. Ich bin normal sehr viel unterwegs und jetzt von zu Hause lernen zu können, das fand ich richtig bequem. Es hat mich sehr erstaunt, wie gut das technisch geklappt hat und wie leicht es war, sich auszutauschen und etwas Neues zu lernen. Ich kann mir die herkömmliche Variante, den Präsenzworkshop, nun fast gar nicht mehr vorstellen.

Ilka Schönborn Übungsblatt

Bild: Ilka‘s gelungener Einstieg ins Visualisieren: ihre ersten Icons. Sind die Icons der Sehenswürdigkeiten nicht klasse?!

Die Gruppenarbeiten in den separierten Chaträumen, wo wir zu zweit die kleinen Gruppenarbeiten gemacht haben, waren super. Ich kenne Onlinetrainings bislang eher als Frontalunterricht, wo du Sachen mitschreibst. Dass ein Onlineworkshop zu einem kreativen Thema, wie dem Zeichen möglich ist, das hat mir richtig gut gefallen.

Wie hast du für dich die Gruppenarbeit wahrgenommen?

Der Unterschied zum Offline-Training war für mich erstaunlicherweise weniger groß als gedacht. Wir haben uns im Workshop sehr schnell kennengelernt. Man lernt über den Videocall sehr schnell, die Leute einzuschätzen.

Die Gruppe war klasse, weil so bunt durchmischt. Es war beeindruckend, wie gut die Kommunikation geklappt hat. Ich habe bei jedem etwas gesehen, das ich mir abgucken konnte. Das war motivierend.

Was hat sich durch den Kurs für dich verändert?

Ich habe gemerkt, dass ich beim Zeichnen unnötige Sachen weglassen kann, dass Details nicht immer nötig sind. Ich habe gesehen, dass ich meine eigene Art und Weise habe, die Dinge zu zeichnen und dass sich der Stil über die Zeit entwickelt.

Ilka Schönborn Icons

Bild: Formschöne Textcontainer, entnommen von Ilkas Übungsblättern.

Ich habe gelernt: Es geht auch einfach. Ich muss nicht so wahnsinnig viel in eine Visualisierung packen, sondern das, was da ist, miteinander verbinden. Die Verbindungen zu schaffen fällt mir allerdings noch nicht so leicht.

Beim Sketchnoten lernt man sich zu fokussieren. Früher habe ich beim Telefonieren eher Kästchen ausgemalt, um mich zu konzentrieren. Jetzt höre ich in Telefonkonferenzen mit einem anderen Fokus zu und versuche immer mal wieder Begriffe zu zeichnen. Die neuen Aufzeichnungen haben also jetzt sogar etwas mit dem Thema zu tun.

Wie wirst du künftig Visualisierungen einsetzen?

Ich kann mir vorstellen, Visualisierungen in einer einfachen Variante in Workshops einzusetzen. Ich bin im technischen Bereich tätig. Das heißt, es geht oft darum, die Dinge einfach, verständlich und klar zu kommunizieren.

Ich werde einzelne Zeichnungen nutzen, um Workshops vorzubereiten. Flipcharts sind ein gutes Einsatzmittel, um Visualisierungen einzubauen und verständlich zu Papier zu bringen. Ich werde definitiv Zeichnungen in Präsentationen verwenden. Ich mag sehr, dass sich Trainings und Präsentationen so persönlicher gestalten lassen und man seinen eigenen Stil einbringen kann. Das ist etwas anderes, als wenn man nur Stockfotos nutzt.

Ich kann mir gut vorstellen, künftig Postkarten zu gestalten oder eine Karte mit einer Grafik und einem Schriftzug zu verschenken. Dafür braucht man ja nicht soviel, ein paar gute Stifte und das richtige Papier reichen.

Ilka Schönborn Icons

Bild: Ein kleiner Ausschnitt aus Ilka‘s Iconsammlung. Besonders hervorzuheben ist das Einhorn. :)

Was hat dir an meiner Moderation besonders gefallen?

Der Workshop hat mir sehr gut gefallen.

Ich fand wirklich gut, dass du konstruktiv Kritik geübt hast, die auf jeden persönlich abgestimmt war. Aber das war wirklich sehr unterstützend. Ich habe versucht, alles umzusetzen, und konnte so richtig viel mitnehmen in der kurzen Zeit.

Deine Erklärungen, warum man etwas jetzt vielleicht nicht so wirkt und wie man es stattdessen zeichnen kann, fand ich sehr hilfreich. Gerade diese kleinen Tipps und Tricks fand ich wirklich gut.

Die Hausaufgaben haben mir geholfen, dran zu bleiben und auch in der Zeit zwischen den Treffen viel zu zeichnen.

Was sind deine nächsten Schritte nach dem Workshop?

Ich habe gelernt, wie wichtig das richtige Material ist. Ich finde das digitale Arbeiten spannend, aber das ist im Moment noch nicht das richtige für mich.

Ich habe mir bereits eine große Packung Stifte gekauft, die wirklich richtig gut sind. Damit habe ich die ersten Grußkarten für Freundinnen gezeichnet. Ich bin sehr gespannt, was sie sagen.

Ilka Schönborn Grußkarte

Bild: Eine von Ilka's gezeichneten Grußkarten.

Und wer weiß, vielleicht illustriere ich ja künftig ein Buch?! Mir schwebt da ein illustriertes Büchlein für Katzenfreunde vor…

Vielen Dank an dich, Ilka, für deine Zeit und das Teilen deiner Erfahrungen!

Es war mir eine Freude zu sehen, wie Ilka‘s Kreativität im Kurs anfing zu sprudeln und mit welcher Kraft, sie den Start in ihre Bildsprache gefunden hat.


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