04. Dez 2020

Erfahrungsbericht meiner 365-Tage-Challenge – täglich eine Zeichnung auf Instagram.

Vor einem Jahr habe ich meinen Selbstversuch erfolgreich beendet und festgestellt, dass es noch keinen finalen Blogbeitrag gibt. Also ist es dringend an der Zeit, dass ich meine Erfahrungen mit dir teile.

Zum Blogpost nach den ersten 8 Monaten geht es hier.

Genau verbirgt sich hinter der Challenge das Ziel, ein Jahr lang jeden Tag eine persönliche Zeichnung bei Instagram einzustellen. Meine Challenge ging vom Dezember 2018 bis Dezember 2019.

Die Idee hinter der Challenge war, regelmäßig zu zeichnen und damit täglich zu üben. Die Zeichnungen zu zeigen, fand ich aus Gründen der Accountability mir selbst gegenüber wichtig. Ein Post pro Tag sichtbar absetzen hieß, ich musste durchhalten, zeichnen und das Ergebnis zeigen. Ausreden galten nicht.

Die Devise hieß: Durchhalten.

Ich habe tatsächlich jeden Tag eine Zeichnung – also 365 Zeichnungen in Folge – abgesetzt. Die Frage, die ich umgehen wollte, war: „Ist die Zeichnung jetzt gut genug, um sie öffentlich zu zeigen?“ 365 Tage hintereinander jeden Tag eine Zeichnung zu posten, war der Versuch, mich selbst ohne allzu große Selbstzweifel zu überwinden.

Es ging also ums zeichnerische Ausprobieren und darum, das Ergebnis ohne zu große Selbstkritik am nächsten Morgen zu veröffentlichen.

Das Ergebnis war schon recht verblüffend. Am Anfang habe ich wirklich oft gedacht: „Will ich das wirklich der Welt zeigen?“ Ich habe es trotzdem getan und das Feedback war in den meisten Fällen positiv.

Es gibt immer jemanden, der sich freut, von einem zu sehen. Relativ schnell bildete sich dann eine kleine Community, mit der ich mich auf Instagram regelmäßig ausgetauscht habe – überwiegend in Form von Zeichnungen. Spannend fand ich, dass bei all den vielen kreativen Zeichnungen relativ schnell sichtbar wurde, von wem welcher Beitrag ist. Der persönliche Stil ist einfach unverkennbar.

Das tägliche Zeichnen wird Gewohnheit.

Bei einem Post pro Tag ist man sich sehr wohl darüber bewusst, dass nicht jeder Beitrag dieselbe Qualität hat. Man lernt jedoch damit umzugehen bzw. es zu ignorieren.

Die Gewohnheit bringt dich dazu, dich trotz des knappen Zeitfensters hinzusetzen und etwas zu zeichnen – auch, wenn es nur ein schneller Sketch ist. Denn: Am kommenden Morgen steht wieder der nächste Post bei Instagram an und da nimmst du dir besser die 5 bis 10 Minuten Zeit.

Ich habe es mir also in dem Jahr zur Angewohnheit gemacht, mein Skizzenbuch wirklich immer dabei zu haben. Die Skizzen entstanden überall, in der U-Bahn, im Restaurant, beim Treffen mit Freunden und beim Waldspaziergang.

Mittlerweile fällt es mir nicht mehr schwer, einen Post abzusetzen. Dabei ist es mir nicht so wichtig, dass ich viele Likes bekomme. Vielmehr weiß ich, dass andere sich freuen, die Zeichnungen zu sehen. Ich hingegen freue mich so sichtbar zu sein und das, was ich sehe und erlebe, mit anderen zu teilen.

Die positiven Nebeneffekte: ein visuelles Tagebuch und neue Kontakte

Wenn du jeden Tag eine Zeichnung aus dem Hut zaubern „musst“, dann ist dein unmittelbares Umfeld zeichnerisch relativ schnell erschöpft. Meine Tassen und meine Pflanzen habe ich etliche Male in unterschiedlichen Varianten und mit einer Vielfalt an Zeichenmaterial abgebildet. Ein tägliches Selbstporträt schien mir zu mühsam, zu unspektakulär und zu zeitintensiv. Für detaillierte Objektstudien fehlte mir die Geduld.

Bild 1

Neue Motive mussten her und manchmal blieben es einfach die Gegenstände in direkter Umgebung.

Spontanes Zeichnen heißt in meinem Fall, das Skizzenbuch ist immer dabei. Wo es dann letztendlich aufgeschlagen wird, ist das Ergebnis eines Zufalls. Beim Spaziergehen entschied mal ein schicker Roller und ein anderes Mal eine Löwenzahnpflanze über das tägliche Motiv. Ein anderes Mal traf ich Freunde in einer Bar. Klar, dass dann der nächste Drink abgebildet wurde.

Wenn ich heute durch die vollgekritzelten Bücher blättere, dann sind dort jede Menge Erinnerungen visuell festgehalten. Ich sehe das Bild von den Menschen am Strand und denke direkt an den tollen Aufenthalt in Tel Aviv. Ich blättere weiter zum Haus mit den schiefgezeichneten Balkonen und weiß sofort, in welchem Teil Stuttgarts ich unterwegs war.

Erfreut bin ich auch darüber, dass manchmal freundliche Unbekannte Anteil an dem Experiment nahmen. Es kam vor, dass Menschen mich fragten, ob sie sich die Skizzen mal anschauen könnten. Noch heute werde ich von einer Restaurantbesitzerin noch immer auf mein Skizzenbuch angesprochen.

Bild 2

Gibt es Kritik von außen?

Ich würde sagen: Kritik liegt immer im Auge des Betrachters. Im Großen und Ganzen reagiert das Umfeld positiver, als man im Vorfeld denkt. Ich habe in der Zeit kein wirklich negatives Feedback bekommen. Einzig ein Mal hat mich eine Bekannte angesprochen und mich darauf hingewiesen, dass meine Posts ja nicht immer so gelungen seien.

Tatsächlich habe ich in diesem Moment gelächelt und gedacht: „Ja, vielleicht ist das so! Aber es ist ein Teil des Prozesses und deswegen gehören die Skizzen gepostet.“ Meist bekam ich wenn, dann eher positive Rückmeldungen auf meinen neu entfachten Zeichenelan.

Ein anderer Effekt ist, dass man im Vorfeld nie weiß, was von den Betrachtern wirklich gemocht wird. Meine Zeichnungen waren hinsichtlich der handwerklichen Qualität sehr unterschiedlich. Erstaunlich oft kamen die Posts gut an, die fachlich nicht besonders herausragend waren. Das waren dann zum Beispiel mit Aquarell kolorierte Skizzen, anstatt der ausdrucksstarken Porträtzeichnungen mit dem Bleistift.

Bild 3

Wie geht es nach einem Jahr täglichem Zeichnen weiter?

Nach dem Jahr der 365-Tage-Challenge habe ich aufgehört, täglich zu posten, aber es war mir wirklich noch Wochen nach dem letzten offiziellen Challengepost lange im Blut. Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich Posts von schnellen Skizzen oder abstrakten Gekritzel veröffentlicht habe, ohne groß nachzudenken.

Es war für mich eine sehr schöne Erfahrung, die Challenge tatsächlich auszuprobieren und auch ein Jahr lang durchzuhalten. Meine Zeichnerei hat sich immens verbessert. Dennoch bin ich jetzt in Phasen, in denen viel los ist, froh nicht das Skizzenbuch dabei haben zu müssen, um auch noch die tägliche Zeichnung zu machen. :)

Wie so oft: Übung macht den Meister.

Die Zeit und Muße, die es braucht, sich mit dem, was wir verbessern wollen, auseinanderzusetzen, bedenken wir oft nicht. In der Regel bleibt man dann doch nicht lang genug an einer Sache dran, um sie tatsächlich richtig gut zu beherrschen.

Aufgrund meiner Erfahrung ist mein Impuls jedoch: Dranbleiben kann Spaß machen.

Lust, es auszuprobieren? Dann setze dir einen definierten Zeitrahmen, halte durch und habe so viel Spaß am Prozess, wie du nur kannst.

Und hier gehts zum Audiobericht und einer zufälligen Bildauswahl: