22. Jan 2021

Warum dein eigener Stil bei einer Sketchnote wichtig ist

Vor zwei Tagen erhielt ich eine Anfrage mit der Bitte um Bewertung von gezeichneten Sketchnotes. Ich schaute über die Grafiken und konnte aufgrund des Stils der Zeichnungen direkt sagen, wer das Sketchnoten hier vermittelt hatte. Weitere Elemente konnte ich nicht bewerten, weil ich wusste, dass der Stil der Trainerin jedes der gezeichneten Details vorsieht.

Interessanterweise häufen sich die Emails dieser Art. Die Anfrage war bereits die dritte in den letzten Monaten. In allen drei Fällen war der Sketchnote-Trainer dieselbe Person.

Ich finde es super, dass die Sketchnote an Bekanntheit gewinnt!

Ich begrüße es, dass das Zeichnen in Form von Sketchnotes bekannter wird und dass jedermann und -frau so unbeschwert mit dem Zeichnen anfangen kann – ganz unabhängig davon, ob sie oder er denkt, er kann nicht zeichnen oder schon immer gezeichnet hat.

Dass das Sketchnoten der Einstieg in einen Alltag mit mehr Kreativität ist, ist phänomenal. Auch bei mir war es nicht viel anders und mittlerweile habe ich durch das Visualisieren sogar mein Zeichentalent wiederentdeckt.

Was mich jedoch stört, ist die Eindimensionalität bei der Vermittlung.

Dass beim Vermitteln von Sketchnote-Techniken nur der eigene Stil vermittelt wird und es nicht darum geht, den persönlichen Stil der Kunden herauszuarbeiten, ist etwas, das mir weniger gefällt. Ich bin dann überrascht, wenn ich mir die Sketchnotes verschiedener Personen anschaue, jedoch keinen Unterschied im Stil entdecke und mich stattdessen die Handschrift der Trainerin anlächelt.

Sketchnotes sind Zeichnungen, die immer einfache Bilder bzw. Icons enthalten. Die Bilder sind in den meisten Fällen eine Abstraktion von Dingen, die in unserem Alltag eine Rolle spielen. Zur Minimierung der Komplexität bedient sich ein Sketchnoter einer Bildsprache, die wir alle von Piktogrammen in unserer Umgebung kennen.

Es kann also durchaus vorkommen, dass 10 Sketchnoter denselben Begriff mit einem relativ ähnlichen Icon darstellen, weil sie dieselbe Abstraktion vor Augen hatten. Worin sich jedoch alle 10 Zeichnungen unterscheiden sollten, ist die Handschrift bzw. der Strich (oder Duktus). So unterschiedlich wie unsere Persönlichkeit ist unsere Handschrift und eben auch der Strich, den wir verwenden, wenn wir Dinge zeichnerisch darstellen. Dieser Unterschied sollte in Ansätzen ebenfalls bei einer Sketchnote erkennbar sein.

Ich plädiere für mehr eigenen Stil in deiner Sketchnote.

Wenn ein Sketchnoter seinem eigenen Zeichenstil folgt, dann wird er sich beim Visualisieren sehr viel einfacher tun. Er merkt sich schon allein das Bildvokabular besser, denn dieses zeichnet er dann in der Strichfolge und der Form, in der es für ihn am besten passt.

Der positive Nebeneffekt, der so zudem entsteht, ist, sein Zeichenstil wird unverwechselbar für andere. Das heißt, ein geschulter Betrachter wird die Sketchnotes direkt dem Zeichner zuordnen können und weniger dem Trainer. In der Regel ist das eher ein Vorteil. Wer sichtbar werden will, dem hilft der eigene Stil eher, erkannt zu werden.

Ein guter Trainer sollte die Vorteile erkennen und den individuellen Stil vermitteln und fördern, gerade dann, wenn die Teilnehmer in ihrer Freizeit sketchnoten. Denn wer weiß, welches Zeichentalent und welche künstlerische Energie neben den einfachen Formen noch in den Teilnehmern steckt?!

eigener Stil

Erlaubt ist, was gefällt.

Aus meiner Sicht gibt es in der Kunst, wozu auch die Sketchnote zählt, kein richtig und kein falsch.

Ich kann mir vorstellen, dass das Kopieren eines fremden Stils zu Beginn leichter fällt. Auch, weil er manchmal perfekter wirkt als der eigene Stil. Oft finden wir unseren eigenen Stil unvollkommener und weniger gelungen, als wir es bei den anderen sehen. Es entstehen Selbstzweifel. Jedoch sind diese Zweifel unbegründet. Die Gedanken kennen die meisten von uns. Wenn du jedoch objektiv einen Blick auf die unterschiedlichen Werke wirfst, dann erzählt dir jede Sketchnote ihre eigene Geschichte. Darauf kommt es an.

Deshalb macht es übrigens durchaus Sinn, gelegentlich an einem Kurs teilzunehmen, in dem du gemeinsam in der Gruppe die vorliegenden Sketchnotes anschaust und sie reflektiert. Schnell wirst du dort feststellen, dass jede Handschrift ihre eigenen Qualitäten mitbringt und wenn etwas noch nicht gelungen ist, das oft eine Frage der Übung ist.

Letztendlich ist in der Kunst das erlaubt, was gefällt. Das gilt auch für Sketchnotes. Wenig andere Bereiche lassen so viel Spielraum in der visuellen Gestaltung zu wie die Illustration. Den Raum solltest du nutzen, um deine eigene Kreativität auszudrücken. Das gilt insbesondere dann, wenn du Sketchnotes in deiner Freizeit zeichnest. Auch bei Visualisierungen fürs Business, wo zwar nach wie vor „form follows function“ gilt, sollte der Stil den Zeichnungen des Urhebers folgen.

Die Vorteile dem eigenen Strich zu folgen, liegen auf der Hand: Die Zeichnungen fallen dir leichter, als es beim „Kopieren“ anderer Stile der Fall ist, du findest dich in ihnen wieder und wirst über Zeit und Übung hinweg unverkennbar für andere.

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