11. Jun 2021

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Stimmt's oder stimmt's nicht?

Hast du dich auch schon gefragt, was hinter dem Satz „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.“ steckt?

Wenn‘s so stimmt, dann sagt ein Bild mehr als dieser Blogartikel. Meine Blogposts haben eine Länge von rund 400 bis 1.000 Wörtern.

Kann ich mir das Schreiben künftig sparen?

Die Antwort liegt auf der Hand: nein, natürlich nicht. Aus welchem Kontext stammt also das Sprichwort, das impliziert, das ein Bild soviel wichtiger ist als viel Text?

Die Suche nach der Herkunft war eine kleine Google-Odyssee. Das Ergebnis ist uneindeutig.

Die Aussage „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.“ wird Fred R. Barnard zugeschrieben. Sein Satz wurde im Jahr 1927 in Verbindung mit Werbung in der Printer‘s Ink abgedruckt.

Es handelt sich bei der Aussage allerdings um eine Adaption eines chinesischen oder japanischen Sprichworts, wie der humorvolle Essay von Gary Martin auf Phrases.org ausführt.

Schon im 19. Jahrhundert kursierten Dinge, die sich mit Wörtern in eine Waagschale legen lassen mussten. Dort verwendete man den Vergleich der jeweiligen Sache meist im Zusammenhang mit 10.000 Wörtern. Einzelne Autoren kürzten diese mit der Zeit auf 1.000 Wörter.

Das Bild im direkten Vergleich mit der Anzahl von Wörtern hat sich durchgesetzt.

Ein Bild sagt mehr als als Worte?

Die Idee hinter dem Spruch ist klar: Ein Bild verarbeitet alle vorliegenden Informationen in einer Abbildung.

Das Bild wird als geschlossene Einheit gesehen. Der Text scheint hingegen weniger als ein System gesehen zu werden. Stattdessen stehen die einzelnen Wörter im Fokus.

Das macht nicht allzu viel Sinn. Dennoch wage ich einen direkten Vergleich. Das Beispiel der roten Ampel zeigt 4 Wörter versus ein Bild.

Ampel

Das Bild der Ampel steht der Aussagekraft des Satzes in nichts nach. Es begünstigt die Botschaft.

Je nach Komplexität des Themas besteht ein Text jedoch nicht nur aus 4 Wörtern, sondern es kommen schnell mehrere Sätze, etliche Absätze oder eine ganze Seite zusammen.

Ja, ein Bild kann diese Informationen durchaus aufgreifen. Der Detailgrad steigt jedoch mit jedem wichtigen Wort.

In einem Bild lassen sich die neuen Informationen in Form von Strichen, Farben und Formen darstellen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Das Bild wird nicht wie ein Text zwangsweise länger. Aber der entscheidende Nachteil ist, die Grafik wird voller.

Eine Infografik wird so schnell zu einem Wimmelbild.

Eine charakteristisch-minimalistische Konturenzeichnung wird zu einem Bild mit unzähligen Linien, die durchs Blatt laufen und ihm den wirkungsvollen Weißraum nehmen.

Chaos

Die Frage ist, ob das Sprichwort jetzt noch funktioniert. Was sagt dir das Bild in der Situation?

Wirklich mehr als 1.000 Worte (stell dir bitte vor, du hättest einen Text vor dir)?

Vermutlich würdest du spätestens jetzt zum Text greifen und lieber lesen. Weil‘s schneller geht.

Du siehst, Bild ist nicht gleich Bild.

Ein Text wird nicht dadurch einfacher zu verstehen, dass neben ihm ein beliebiges Foto abgebildet ist. Eine Grafik, die die Kernthemen eines Textes nicht trifft, wird gemeinsam mit einem schwer verständlichen Text in Beliebigkeit untergehen.

Es ist das richtige Bild, das hilft komplexe Inhalte verständlich zu machen.

Das passende Bild macht den bedeutenden Unterschied. Eine Visualisierung, die den Text repräsentiert, für den sie steht, mit ihm ins Gespräch geht und ihn visuell ergänzt, ist gelungen. Sie bringt einen Text mit ihren Strichen zum Leuchten. Er ist besser verständlich.

Ein durchdachtes Bild zeigt komplexe Inhalte auf einen Blick.

Ein Bild ohne Text macht im Kontrast zu "Text only" keine gute Figur. Eine Abbildung, die ganz ohne Text gezeigt wird, funktioniert weniger gut, als ein Text ohne Bild. Sie ist so unvollständig wie ein Rezept, für das du zwar die Zutaten genannt bekommst, dir aber die Arbeitsschritte für die Zubereitung fehlen.

Es ist die Kombination aus Text und Bild, die für den Leser besonders gut funktioniert. Das Bild wird zur Illustration, die in Symbiose mit den 100, 1.000 oder 10.000 Wörtern die Inhalte verkündet.

Waage

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