09. Jul 2021

Schreibe wirkungsvolle Webtexte. Mit 3 einfachen Regeln der Profis.

Ich habe ein schwieriges Verhältnis zu meinen Webseitetexten. Sie entwickeln sich zwar mit jeder Überarbeitung ein wenig weiter. Aber zufrieden mit ihnen bin ich trotzdem selten bzw. nur die ersten Tage nach Überarbeitung. Danach beschleicht mich das Gefühl von Enttäuschung. Ist das wirklich der überarbeitete Text?

Lesbar? Ja, das ist er.

Spannung? Nein, nicht da.

Mitreißende Geschichte? Nein, nicht da.

Überschriften, die Lust auf mehr machen? Auch nicht.

Hilfe, mein Text ist langweilig.

Allgemeine Schreibtipps für gute Texte habe ich leicht gefunden. Die Tipps zu beherzigen, ist nicht so schwer. Die Gängigen lauten: Vermeide Fremdwörter. Schreibe einfache Sätze. Benutze aktiv statt passiv. Vermeide Klischees. Schreibe bildlich, ...

Ist mein Text mit diesen Regeln besser? Ja, er ist definitiv lesbarer. Besser hingegen?! Nicht wirklich.

Zeit für einen neuen Versuch. Mit meiner Angebotsseite „Business Illustration“ war ich lange nicht zufrieden. Richtig verständlich war mein Angebot auch nicht. Überarbeitungsschleife nötig? Ja, aber bitte mit Plan. Zu Hilfe kamen mir Regeln von Copywriter-Profis, die ich noch nicht aktiv kannte. Die folgenden 3 Regeln sind für mich am hilfreichsten. Gern teile ich sie mit dir.

Regel 1: Es geht nicht um dich, es geht um den Leser. Das sollte sich auch im Text widerspiegeln.

Dass ein Text sich an den Leser richten sollte, ist nicht neu. Idealerweise hast du beim Schreiben sogar den einen Leser im Kopf. Dessen Bedarf du kennst und an den sich dein Angebot richtet.

Oft passiert es, dass sich der Inhalt des Textes gedanklich an den Leser wendet, aber ihn nicht konkret anspricht. Stattdessen verliert der Text seine Wirkung mit einer Selbstaussage. Dann heißt es: „Wir haben die Funktionalitäten des Produkts ausgiebig getestet und stehen für die Qualität unserer Produkte ein.“

Die Botschaft, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges Produkt handelt, ist für den Kunden bzw. den einen Leser interessant. Aber fesseln wird ein solcher Satz den Leser nicht. Die Aussage ist für ihn weder sonderlich hilfreich noch relevant.

Das Problem: Es geht nicht um mich oder das Produkt. Es geht allein um den Leser und der will von sich selbst lesen.

Die Lösung: die Du-Regel.

Die neue Variante des obigen Satzes lautet nun vielleicht: „Starten Sie Ihre nächste Wanderung sicher ausgerüstet. Wenn Sie nicht zufrieden sind, erhalten Sie Ihr Geld zurück." Der Leser wird dabei direkt angesprochen. Er erhält den Nutzen, den ihm das Produkt bringt.

Regel 2: Schreibe viele Überschriften. Der erste Entwurf ist selten der beste.

Wenn es ums Texten geht, bin ich faul. Ich freue mich, wenn ich meine Inhalte „irgendwie“ in Wörter ausgedrückt habe. Und bin erleichtert, wenn eine Botschaft endlich auf meiner Webpage steht. Dass das nicht der optimale Weg ist, habe ich in den letzten Monaten bereits von verschiedenen Copywritern bzw. Textern gehört.

Cole Schafer von Honey Copy sprach in einem Interview mit Marie Forleo von der 20 Prozent-Regel. Dahinter steckt, dass 20 Prozent der Zeit, die du in einen Text investierst, in die Überschrift fließen sollte.

Das ist eine Menge. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass der erste Entwurf einer Überschrift selten der beste ist. Im Grunde gilt für jede Form von Veröffentlichung: Brainstorme so viele Überschriften wie möglich.

Der Prozess ist einfach: Du schreibst erst deinen Text. Danach nimmst du dir etwas Zeit und versuchst, verschiedene Varianten und Versionen einer Überschrift aufzuschreiben. Statt einer einzigen Überschrift zu deinem Blogpost, Fachartikel oder Website-Text erhältst du rund 25 Überschriften. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine gute Überschrift dabei ist, ist somit 25-fach höher, als wenn du die erstbeste Überschrift nutzt, die dir einfällt. Die guten Texter optimieren im nächsten Schritt die ausgewählte Variante noch weiter.

Ich persönlich bin froh, wenn ich überhaupt 25 Überschriften aufs Blatt bringe. :)

...Es ist beim Schreiben wie mit dem Zeichnen: Die Meisterschaft kommt mit der Übung.

Regel 3: Lasse deinen ersten Entwurf mindestens 24 Stunden liegen.

Die 3. Regel beherrscht sicher jeder Texter. Aber niemand, der keiner ist. Die Regel ist: Lasse deinen Entwurf 24 bis 48 Stunden liegen. Als ich es neulich hörte, war neu für mich, dass ein Text bis zu 2 Tage in der Schublade verschwinden soll. Danach nimmst du den Text erneut zur Hand, editierst und optimierst ihn.

Wow, wer kann seinen Text 48 Stunden lang zur Seite legen? Ich habe in den meisten Fällen weder die Geduld noch die Zeit. Bei Blogposts bin ich froh, wenn sie vor der Veröffentlichung überhaupt geschrieben sind.

Aber bei der Überarbeitung meiner Angebotsseite habe ich es ganz bewusst getan. Klicke gern das Bild, wenn du einen Blick aufs Ergebnis werfen willst.

Illustration

Ich gestehe, es tat gut. Den Text eine Weile aus dem Kopf zu haben, vereinfachte das Editieren.

Während des Schreibprozesses landete ich übrigens auf der Produktwebseite von Apple. Fasziniert erkannte ich plötzlich, wie gekonnt Apple gute Websitetexte für seine Produkte nutzt.

Wenn du nach weiteren Inspirationen für deine Texte suchst, dann schau mal auf die Webpage deine Lieblingsmarke. Sicher findest du dort Texte, die dir neue Ideen geben.



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