„Bei mir haben Zahlen Farben. Bei Dir auch?“

Vorgestern las ich von einer Kundin. Sie fragte: „Bei mir haben Zahlen Farben. Bei Dir auch?“

Ich antwortete spontan: „Interessant! Nein bei mir nicht.:)“

Erst später fiel mir auf, dass das so nicht stimmt.

Mein Aquarellset kam mir dazu in den Sinn. Meine beiden Metallkästen bestehen aus rund 30 kleinen Farbnäpfen mit unterschiedlichsten Farbnuancen.

Schätzungsweise 6 bis 8 der Näpfe kann ich mit ihrem korrekten Namen benennen. Sie enthalten die Farben, auf die ich am meisten zurückgreife. Ich bin mir bewusst, dass ich meinen Pinsel in das satte Alizaron-Crimson tunke, mit Kadmiumgelb hell arbeite oder mit Indigoblau experimentiere.

Bei allen anderen Farbtönen bin ich ahnungslos. Allerdings kann ich sie den kalten oder warmen Tönen zuordnen. Ich weiß genau, mit welchen Farben sie sich gut anmischen lassen, um farbenfroh zu leuchten.

Und ich habe gelernt, mit welchen Farben ich sie nicht mischen sollte, weil sie sich nicht vertragen. Sie werden dann zu Grautönen, die einem Motiv mit nur einem Pinselstrich den Garaus machen.

Wenn ich eine von den 22 Farben nachkaufe, hilft mir das Wissen wenig.

Dann, so fiel es mir ein paar Stunden nach meiner Antwort ein, helfen mir die Zahlen. Jedem Farbton ist eine Nummer zugeordnet. ... So stellt auch der Hersteller sicher, dass sich niemand mit Halbwissen versehentlich die falsche Farbe kauft. Die Nummer ist auf jeden Napf aufgedruckt.

Manchmal helfen auch die schönen Übersichtsblätter weiter. Zum Beispiel dieses (die Nummern meiner zwei Lieblingsfarben im Blatt habe ich gelb markiert):

Farbtöne Schmincke Aquarellfarben Horadam

Bild: Screenshot von Schmincke.de

Ich korrigiere also mein Eingangsstatement:

Auch bei mir haben Zahlen Farben. Oder eben Farben Zahlen. :) (Welch‘ tolle Frage!)

Das Codieren mit Farbe funktioniert in beide Richtungen.

Das kennst du sicherlich auch:

Wenn du in eine 30er-Zone einfährst, begegnet dir dort gelegentlich ein Geschwindigkeitsdisplay. Es blendet ein, wie schnell du fährst. Bist du schneller als 30 km/h, ist die Zahl rot. Fährst du unter 30 km/h, leuchtet sie grün.

Die farbigen Zahlen sagen dir, wie schnell du fährst. Aber sie beinhalten noch eine Information: Sie bewerten dein Fahrverhalten in dem ihnen zugeschriebenen Kontext.

Mit einfachsten Mitteln und nur zwei Farben, weißt du:

Grün: „Ich fahre ok.“

oder

Rot: „Ich fahre zu schnell“.

Farben als Codes für das einfache Darstellen von Daten

Das Codieren von Infos mit der Hilfe von Farben lässt sich auf jeden Kontext übertragen. Wie auf die Ergebnisse der E-Mail-Umfrage meines letzten Newsletters. (Ich fragte die AbonnentInnen, wie oft sie am liebsten Newsletteremails ihrer liebsten Marke bekommen.)

Die Ergebnisse lassen sich unterschiedlich darstellen - mit und ohne Farbe.

Das Kreisdiagramm dient als Beispiel:

Newsletterumfrage Email schnelle Sketchnote

Im Bild siehst du das rasch visualisierte Ergebnis links ohne Farbe und rechts daneben 2x mit Farbeinsatz.

Welches Diagramm interpretierst du am schnellsten?

Spannend und gleichzeitig so simpel. :)

Wenn du dir bewusst machst, wie wirkungsvoll Farben sind und Farbcodes in deinem Material einsetzt, unterstreichst du mit einfachsten Mitteln deine Botschaft.


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